Eine nette Begebenheit, die uns in diesem Jahr einige Wochen lang begleitet, ziemliches Kopfzerbrechen und viel Aufwand bereitet hat.
Im späten August vernahmen wir zum ersten Mal diese Geräusche in unserer Küche. Beziehungsweise darüber. Ein Scharren und Kratzen. Nun muss man wissen: Unsere Küche hat hohe Einbauschränke und ist bis unter die Decke mit einer Holzleiste inklusive Einbauspots verkleidet. Darüber befindet sich direkt unser Dachboden.
Erste Vermutung: Irgendein Tier (oder mehrere?) hat sich auf dem Dachboden (oder in unserer Küche?) eingenistet.
Mäuse? Dafür ziemlich laut. Vielleicht etwas Größeres? So genau wollte ich es gar nicht wissen. Und reproduzierbar war es leider auch nicht, als dann einige Stunden später mein Mann zuhause war. Tja, wie das dann so ist: Aus den Augen (bzw. Ohren) – aus dem Sinn.
Ein paar Wochen später, genau einen Tag vor einem Urlaub, tauchte das Geräusch dann wieder auf. Und: zwei Einbauspots defekt. Obwohl es zeitlich so gar nicht passte: Wir haben einmal die komplette Verkleidung rundherum abgebaut, 20 Jahre altes Silikon gelöst, in der Erwartung 20 Jahre alte Fettablagerungen vorzufinden. Da wurden wir nicht enttäuscht, noch besser aber war:
Tausende kleiner Kotklümpchen, mehrere durchgebissene Kabel und zerfleddertes Dämm-Material. Insgesamt einfach nur eklig!!!

Wie und wo kamen die Tiere dahin? Wo waren die Tiere? Versteckten die sich hinter den Schränken? Einmal rundherum zwischen Backofen und Kühlschrank oder in den vom Schreiner verkleideten Lücken? Wir haben erstmal saubergemacht, die kaputten Lampen ausgebaut – und schau an: Zwischendurch schaute ein kleines süßes Köpfchen durch eines der Einbauspot-Löcher!
Kurz vor Feierabend (und Urlaub!) zum Baumarkt: Mausefallen besorgen. Ich wollte eine Lebendfalle – aber mehrere Experten rieten mir zu den echten Klapp-Fallen. Denn viele Mäuse stürben eh einen Herztod in der Lebendfalle. Und ich müsste sie danach 5km weit wegfahren, damit sie nicht mehr zurückfinden. (Hauptargument für mich war aber der Gedanke, dass unser Kater täglich mehrere Mäuse um die Ecke bringt, da kommt es auf eine mehr oder weniger auch nicht an.) Insgesamt 3 Fallen mit Nutella präpariert und ab auf die Schränke. Lampen gewechselt. Holzverkleidung wieder zusammengepuzzelt. In den Urlaub gefahren….
…Zurück zuhause: Einfach nur ein gutes Gefühl, ohne „Besucher“ und den ganzen Würgereiz-erzeugenden Hinterlassenschaften in der Küche hantieren zu können. Eventuell eine oder zwei Leichen in den Fallen.
Leider zu früh gefreut. Die Geräusche kamen wieder – oder waren einfach nie weg.
Daher erneut die Verkleidung runter, viele frische Kotklümpchen – und weggelecktes Nutella auf allen drei Mausefallen, alle drei geschlossen, alle drei ohne Leiche darin. Bis in die letzte Ecke untersuchten wir die Oberseiten unserer Schränke.

Plötzlich aus dem Augenwinkel ein Huschen oberhalb des Backofens – und „Etwas“ war dahinter verschwunden. Diesmal wollten, nein mussten wir erfolgreich sein! Wir bauten die Einbau-Mikrowelle aus – nichts. Dann den Backofen losgeschraubt und ebenfalls ausgebaut – via Ausschlussverfahren konnte das Tier nur darin sein!

Und siehe da, aus dem Backofen-Metallunterbau schaut uns ein freches kleines Gesicht an!
Wir transportierten den Backofen daher direkt raus auf die Terrasse und warteten… und warteten…. ich legte mich fast eine Stunde mit meinem Handy auf die Lauer. Was dann passierte, habe ich glücklicherweise als kurzen Clip dokumentiert!
Was war das für ein Tier? Apple Intelligence machte daraus ein graues Eichhörnchen.
Die gibt es aber nicht in Europa (kurz überlegen, wie & wo die KI da wohl trainiert wurde?!). Eine Suche via Google Lens mit einem Standbild brachte die Lösung: Ein Siebenschläfer! Glücklicherweise viel zu groß für Mausefallen, denn er steht unter Naturschutz. Und ist (eigentlich) ein sehr putziges Tier. Nach der Flucht aus dem Backofen verschwand er auf nimmer Wiedersehen in unserem Garten. Dachten wir zumindest. Aber dazu später.

Für uns war jetzt erstmal wichtig herauszufinden, wie der Geselle es in unsere Küche geschafft hatte. Ein kleines Loch für ein Kabel in der Wand zur Vorratskammer, diese wiederum hat ein dauergeöffnetes Fenster – durch das vor Jahren bereits einmal ein Eichhörnchen den Weg hineingefunden hatte. Also: Loch verputzt – Küche erneut gereinigt, Verkleidung neu platziert und befestigt. Ein metallenes Fliegengitter für das Fenster bestellt & montiert. Insgesamt: Ein richtig gutes Gefühl, endlich schien das Problem beseitigt!
Leider kamen die Geräusche nach 2 Wochen wieder zurück. Und zwar gefühlt wie mit einem Verstärker!
Ehrlich gesagt löste das bei mir erstmal das heulende Elend aus. Ich hatte zwar gelesen, dass Siebenschläfer immer wieder zurückkehren. Aber das Loch war doch geschlossen? Nochmal alles auseinander bauen? Nochmal alles voller Kotklümpchen und Dreck?
Nein, es kam sogar noch besser! Neben den neuen (und sehr zahlreichen) Kötteln entdeckten wir den Grund für die besonders lauten Geräusche: Unser Freund, der Siebenschläfer, war dabei, ein Reservoir an Eicheln auf unseren Schränken abzulegen. Das erklärte das Schieben und Rascheln und Scharren.
Wieder alles saubergemacht. Wieder Mikrowelle und Backofen ausgebaut. Wieder auf die Lauer gelegt. Aber diesmal war ich schlauer! Den Ausgang habe ich so verklebt, dass es nur in eine Richtung gehen konnte:
Ein Schuhkarton, gefüllt mit Stroh und Eicheln. Und der Plan, die Kiste mindestens 20km weit weg zu fahren.

Aber daraus wurde nichts. Denn er war diesmal nicht im Backofen. Er war scheinbar gerade unterwegs. Und durch Zufall haben wir diesmal das richtige Eingangsloch gefunden. Im Rollladenkasten. Das konnten wir leicht schließen, alles saubermachen, zusammenbauen. Puh!!!
Und da ich nun wusste, dass unser kleiner Freund demnächst wieder versuchen würde, ins Haus zu kommen, habe ich an der Außenwand einen Nistkasten platziert.

Ob er darin jetzt schläft? Ich hoffe es. Im Frühjahr werden wir es herausfinden.