Immer wieder: Kinder und Karriere…

Neulich gab es im Rahmen eines Hochschul-Mentorings ein Speeddating mit einer Vielzahl junger, engagierter MINT-Studentinnen. Alle 10 Minuten ein neues kurzes Kennenlernen.

„Wie kann ich Dir eventuell weiterhelfen?“ – Meine Standardfrage.

Da in dem Programm auch sehr viele Männer als Mentoren dabei sind (großartig!) ganz oft die folgende Bitte: 

„Kinder und Karriere – ich bin mir unsicher, welcher Arbeitgeber da am besten passt.“

Oftmals stecken diese jungen Frauen gerade in ersten Bewerbungsprozessen. Spannende Start-Ups konkurrieren mit etablierten Konzernen oder auch Behörden. 

Der Job, der mehr Spaß machen würde, wird aufgrund praktischer Erwägungen einer potentiellen Schwangerschaft in den nächsten 2-5 Jahren auf den Prüfstand gestellt.

Meine Reaktion sind erstmal Gegenfragen:

„Macht sich Dein Partner gerade die gleichen Gedanken? Machen sich Deine männlichen Studien-Kollegen die gleichen Gedanken?“

Aus der offensichtlichen Antwort ergibt sich, warum die männlichen Mentoren hier nicht helfen konnten, eventuell sogar die Frage gar nicht verstanden haben…

Die jungen Frauen wissen weder ob, noch wann genau sie schwanger werden. Der Partner wurde mir in vielen Fällen als gleichberechtigt beschrieben, die Beziehungen sind auf Augenhöhe. Toll & gut! (Ansonsten: Augen auf bei der Partnerwahl!)

Daher rate ich ganz klar: 

„Mach beruflich bitte das, wozu Du Lust hast, was Dich begeistert. Der Rest wird sich ergeben.“

Zu einer Schwangerschaft gehören zwei. Und es ist nicht default-mäßig Aufgabe der Frau, die komplette Planung für das Projekt „Kind in einer Partnerschaft“ alleine zu schultern. Das ist etwas, was viele Frauen lernen müssen: Vertraut euren Partnern / eurer Partnerschaft.

Ein Kind, eine Familie kann alles zuvor Geplante über den Haufen schmeissen. Für beide Partner. Und oftmals ergeben sich dadurch neue Chancen, andere Gelegenheiten. 

Ihr seid jung, top ausgebildet, habt großartige Chancen am Arbeitsmarkt – nutzt eure Chancen, genießt es und denkt nicht so viel über ungelegte Eier nach!

Manchmal machen wir es uns selbst ganz schön schwer. Und manchmal nehmen wir unseren Partnern damit sogar die Chance – wenn es dann mal soweit ist – an gemeinsamen Plänen mitzugestalten.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich mir bei der Berufswahl keine Gedanken hinsichtlich möglicher Kinder gemacht habe. Obwohl ich wusste, dass ich „irgendwann“ mal welche wollte.

Später bin ich aber unglaublich oft in die „alles muss geplant sein“-Falle gelaufen – insbesondere nach dem Rollentausch mit meinem Mann, der mir dann aber konsequent das „Planungszepter“ einfach entrissen hat.

Von Silke Kanes

Als ehemalige Vorständin & Aufsichtsrätin - mit langjähriger Verantwortung für digitale Produktentwicklung und agile Transformation - unterstütze ich Unternehmen und deren Führungskräfte bei digitalen oder unternehmenskulturellen Herausforderungen.