Ich weiß, was ich nicht weiß – und das ist gut so!

white concrete building

Klingt es komisch, wenn ich behaupte, ganz viel nicht zu wissen? Und meistens sogar explizit benennen kann, was ich alles nicht weiß?

Ehrlich gesagt, klingt es für mich überhaupt nicht komisch.

Wenn ich weiß, was ich nicht weiß – dann weiß ich, welche Kompetenzen mir fehlen. Und habe Respekt vor den Menschen, die diese jeweiligen Kompetenzen haben.

Als Chef oder Chefin für mich ein absolutes Must-have! 

Es geht um Dinge, von denen wir wissen, dass sie für unseren Job wichtig sind – aber bei denen uns bewusst ist, dass wir uns damit nicht ausreichend auskennen. Und das sollten wir auch offen zugeben. 

Eine Zeitlang habe ich immer scherzhaft über mich selbst erzählt „Ich kann alles ein bisschen, aber nix richtig“ – und mich manchmal unwohl gefühlt mit meinem eigenen Nicht-, Halb- oder Dreiviertel-Wissen.

Aber dann wurde mir bewusst, dass es genau dieses mir bekannte Unwissen ist, das dabei hilft, passende Teamplayer interdisziplinär zusammen zu bringen. Für große Projekte, die Erstellung innovativer Produkte, digitale und agile Transformationen oder auch ganz allgemein: für den Unternehmenserfolg.

Wenn ich meine eigenen Kompetenzen aufliste (siehe Box), dann wird klar, dass ich niemals z.B. ein Digitalisierungsprojekt alleine stemmen könnte.

Aber ich besitze die Fähigkeit dieses Projekt zu überblicken und somit zu verantworten. Und das traue ich mir dann voll und ganz zu!

  • Programmieren: lange her, komme aber mit Entwicklern gut klar
  • Grafik, UI, UX: macht mir Spaß, absolutes Hobbylevel
  • Texten: kann ich recht gut (inklusive überperfekter Formatierung…)
  • Projektmanagement: kann ich, pragmatische Herangehensweise
  • Produktmanagement: Leitung ja, operativ bin ich mittlerweile raus 
  • Branchenexpertise: im Bereich IT, ansonsten nur mit jeweiligen Expertinnen/Experten
  • Kommunikation (Kunden, Mitarbeitende, Management, C-Level): beherrsche ich ganz gut
  • Vertrieb: vor langer Zeit mal gemacht (hat man dann ein wenig im Blut)
  • Marketing: gesundes Halb-Wissen
  • Finanzen / Buchhaltung: kein Kommentar, ewiger Kampf mit dem Schweinehund
  • Unternehmerisches Denken: zu 100% ausgeprägt durch meine bessere Hälfte

Wir sind aufgrund des uns bewussten Unwissens gut darin, benötigte Kompetenzen zu benennen, bei anderen Menschen zu erkennen und mit voller Wertschätzung zu fördern.

„Bekanntes Unwissen“ hilft, die richtigen Spezialistinnen und Spezialisten an Bord zu holen und als Führungskraft erfolgreich zu sein!

Führungskräfte, denen nicht bewusst ist, dass sie ganz viel nicht wissen – aber meinen, alles zu wissen, leiden oftmals an Selbstüberschätzung. (Der sogenannte Dunning-Kruger Effekt, aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.)

Also, es ist gut, nicht alles zu wissen – aber dafür zu wissen, was man nicht weiß! 

qed

Anmerkung: Das war ein schwierig zu formulierender Beitrag, ich habe mich oft verheddert zwischen wissentlich bekanntem Unwissen und unbekanntem Nicht-Wissen. Wusste ich vorher leider nicht, weiß ich aber jetzt.

Von Silke Kanes

Als ehemalige Vorständin & Aufsichtsrätin - mit langjähriger Verantwortung für digitale Produktentwicklung und agile Transformation - unterstütze ich Unternehmen und deren Führungskräfte bei digitalen oder unternehmenskulturellen Herausforderungen.